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Freilichtspiel 2017 - Schluck und Jau

von Gisela Widmer, nach Gerhart Hauptmann
Regie Livio Andreina
Ausstattung Anna Maria Glaudemans
Musik Bruno Amstad
Lichtdesign Martin Brun

Spielort Ramstein Schüür (gegenüber All'Aria-Park)

Der reiche Fürst Jon Rand sorgt sich um die Laune seiner bildhübschen jungen Geliebten Sidselill, die sich auf seinem Schloss vor lauter Luxus furchtbar langweilt. Karl, einer seiner Höflinge, hat eine Idee: Zu Sidselills Erheiterung soll ein Spiel mit den beiden Landstreichern Schluck und Jau inszeniert werden, die man betrunken vor dem Schlosstor aufgegriffen hat. Jon Rand willigt ein – und so erwacht Jau, der eine Landstreicher, am nächsten Morgen in einem prächtigen Himmelbett und wird zu seiner grenzenlosen Verblüffung von einer Dienerschar als Fürst begrüsst. Nachdem Jau seine Verwirrung überwunden hat, findet er sich schnell in seiner neuen Rolle zurecht und beginnt seinem Hofstaat Befehle zu erteilen. Er gibt sich vornehm, so gut er kann, und erfindet sich einen neuen Lebenslauf. Nur an eines kann Fürst Jau sich nicht gewöhnen: an die Fürstin, seine angebliche Gattin, die in Wahrheit sein verkleideter Kumpan Schluck ist.

Die Hofgesellschaft amüsiert sich prächtig über das Spiel. Jon Rand hat seine junge Gefährtin noch nie so ausgelassen gesehen. Doch als Jau sich zunehmend als Tyrann aufspielt und beginnt, die Schlosseinrichtung zu demolieren, befiehlt Jon Rand, die Komödie zu beenden. Jau wird mit einem Schlaftrunk betäubt und wieder vor dem Schlosstor ausgesetzt. Als er am nächsten Morgen dort erwacht, versuchen Karl und Schluck ihn davon zu überzeugen, dass er alles nur geträumt hat. Jau findet sich mit seinem Schicksal ab und macht sich mit Schluck auf den Weg ins Wirtshaus.

Gerhart Hauptmann verhandelt in seinem Stück die archetypischen Aspekte des Menschen. Es geht um Schein und Sein, Wirklichkeit und Wahrheit, Arm und Reich und Macht und Liebe. Ein zentrales Thema ist die uralte Weisheit, dass die Unterschiede zwischen den Menschen nur auf einem Scheine beruhen, dass sich uns als das Wesen des Menschen etwas ganz Neues enthüllt, wenn wir aus dem Lebenstraum für eine Weile erwachen, etwas das in jedem Menschen steckt, sei er Fürst oder Bettler.

Hauptmann verdichtet dieses Thema in eine wunderbar tiefsinnige Komödie, in der alles vorkommt, was dazu gehört: Verwechslungen, karnevaleske Umkehrungen, der Landstreicher wird zum König, Verkleidungen, eine wunderschöne Hofdame, das ausgelassene Fest, das bis zum Morgen dauert.

Und das alles passt perfekt zum Spielort um die alte Scheune mitten im Dorf.